München jubelt: Gärtnerplatztheater wiedereröffnet!

Gärtnerplatz Open Air
Gärtnerplatz Open Air © Christian POGO Zach

Das Münchner Gärtnerplatztheater feiert Wiedereröffnung. Eines der schönsten bayerischen Theaterbauten war über fünf Jahren für eine Generalsanierung geschlossen. Knapp 100 Millionen kosteten die Sanierungsarbeiten. Das Ensemble gastierte während der langen Bauarbeiten in diversen Ausweichquartieren. Doch jetzt ist es endlich soweit: Zur neuen Spielzeit 2017/ 2018 erhalten die Münchner ein Herzstück der Musikkultur zurück.

Erste Eindrücke vom frisch sanierten Gärtnerplatztheater

Wir haben es vermisst und freuen uns auf ein Wiedersehen. Unsere Erwartungen wurde nicht enttäuscht: der Eingangsbereich mit der Abendkasse, das Pausenfoyer, die Toiletten, das Treppenhaus mit den gepolsterten Handläufen und natürlich der Zuschauerraum mit seinen Logen und  Rängen – wurden von Grund auf renoviert und im alten Stil wieder hergerichtet.

Neu ist die moderne Kellerbar. Hier ist es schummrig und durchaus gemütlich. Trotzdem ist das alte Pausenfoyer im ersten Stock mit seinen üppigen Wandfresken immer noch der schönste Bereich im Gärtnerplatztheater.

Eröffnungspremiere: Die lustige Witwe – Kurzkritik

Der Chef persönlich hat angerichtet – Intendant Josef E. Köpplinger inszeniert Die lustige Witwe von Franz Lehar als Totentanz. Der Tod, dargestellt durch den Tänzer und Choreograf Adam Cooper ist in fast allen Szenen präsent. Die heitere Ausgelassenheit der Operetten verwandelt sich so in Endzeitstimmung. Das stilisierende Bühnenbild mit schief hängenden Goldrahmen von Rainer Sinell unterstreicht den düsteren Gesamteindruck.
Das Ganze gipfelt in der Schlussszene. Bei Lehar endet die Operette mit einem ausgelassenen Finale: Die Liebende, Graf Danilo und die lustige und vor allem reiche Witwe Hanna Glawari, finden zueinander und sehen froh einer gemeinsamen Zukunft entgegen. Köpplinger verwandelt das Operetten-Happyend in einen klassischen Opernschluss: Frau tot – Oper aus. Dafür lässt er als Stimmungskiller am Ende die Nachricht verkünden, dass der Thronfolger in Sarajewo ermordet wurde und nun Krieg sei. Doch damit nicht genug. Der Tod – nun schauerlich mit schwarzen Flügeln kostümiert – schreitet feierlich auf die Bühne und küsst die Witwe. Vorhang.

Wer nach dem Warum fragt, dem hilft vielleicht die folgende Videostückeinführung weiter.

 

Probleme mit der Beschilderung – bärtige Grisetten

Vielleicht hätten wir uns ein Programmheft besorgen sollen. Wir beschließen, dies in der Pause nachzuholen. Doch daraus wird nichts. Von unseren Plätzen Parkett rechts ist der Weg zu den Damentoiletten weit. An der langen Schlange vor den wenigen Toiletten hat sich auch nach der Sanierung nichts geändert. Dann wollten wir noch kurz auf ein Pausengetränk in der Kelllerbar vorbeischauen. Wir folgten der Beschilderung und verliefen uns. Also kein Programmheft, dafür einen Schwips. Der erwies sich als gute Grundlage für den Auftritt der Grisetten. Conchita Wurst lässt Grüßen. Keine aufregende Choreografie, dafür Travestie: bärtige Kerle als fesche Grisetten. Das war durchaus passend, denn – als Info für Nichtmünchner – das Gärtnerplatztheater befindet sich im Glockenbachviertel, dem Szenentreff für Schwule und Lesben.

Spielplan 2017 / 2018

Neben Die lustige Witwe von Franz Lehar sind für die Spielzeit 2017/2018 als weitere Neuinszenierungen  u.a. die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals Priscilla – Königin der Wüste, My Fair Lady, Donizettis Oper Maria Stuarda, Der Wildschütz von Albert Lortzing und die Operette Der tapfer Soldat von Oscar Straus geplant.

Darüber hinaus stehen zahlreiche  Wiederaufnahmen auf dem Programm. Darunter auch die Operette Martha von Friedrich von Flotow in der gelungenen Regie des legendären Viktor von Bülow alias Loriot († 2011).