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Video: La Juive, Oper von Fromental Halévy, Opera Vlaanderen

12. Juni

La Juive, Oper von Fromental Halévyaus der Opera Vlaanderen

Das Video on demand ist kostenfrei bis zum 5. Oktober 2019 auf dem europäischen Opernportal OperaVision (vormals The Opera Platform)  kostenfrei abrufbar.

Aufführung in französicher Sprache, mit deutschen, englischen, französischen und niederländischen Untertiteln und zusätzlich automatische Übersetzungen in 114 andere Sprachen.

Inhalt

Eine Stadt befindet sich im Würgegriff des religiösen Fanatismus, ein jüdischer Goldschmied und seine Tochter sehen sich der Gefahr des Außenseitertums gegenüber.

Ein explosives Geheimnis könnte ihr Leben retten, oder ihnen den Tod und Rache bringen. Fromental Halévys La Juive ist ein Hauptwerk der französischen Oper und wurde von Anfang an kontrovers diskutiert. Für manche ist sie eine Beleidigung religiöser Gefühle und des Staats, für andere ein Plädoyer für Toleranz, und vor allem eine menschliche Tragödie über eine Familie, die verfolgt wird. Roy Cornelius Smith und Corinne Winters treten in dieser preisgekrönten Produktion von Regisseur Peter Konwitschny auf.

 

Handlung:

I. Akt

Zur Eröffnung des Konstanzer Konzils finden kirchliche Feierlichkeiten statt. Der jüdische Goldschmied Éléazar arbeitet weiter und ruft die allgemeine Empörung der versammelten Christen hervor. Der radikale Stadtwächter Ruggiero will, dass er und seine Tochter Rachel hingerichtet werden, aber Kardinal de Brogni greift ein und rettet sie. Er bittet sie, den Christen zu vergeben, aber Éléazar weigert sich, angesichts dessen, was er durch ihre Hände erlitten hat. In einem zweiten Gefecht werden der jüdische Vater und seine Tochter von Prinz Léopold aus der Menge gerettet, der vorgibt, ein jüdischer Künstler namens Samuel zu sein. Rachel ist in Samuel verliebt und weiß nichts von seiner wahren Identität.

II. Akt

Rachel hat den vermeintlichen Samuel eingeladen, um das Passahfest bei ihr und ihrem Vater zu feiern. Ihr Verdacht erwacht, als er sich weigert, das Stück ungesäuertes Brot zu essen, das sie ihm gegeben hat. Plötzlich taucht Prinzessin Eudoxie, die Frau von Léopold, auf, um eine Goldkette von Éléazar zu kaufen, die sie ihrem Mann schenken will. Samuel gesteht Rachel gegenüber, dass er ein Christ ist. Sie ist verzweifelt, denn auf Liebesbeziehungen zwischen Christen und Juden steht die Todesstrafe. Sie ist dennoch bereit, mit ihm durchzubrennen, aber bevor sie gehen können, konfrontiert sie Éléazar. Als er von der wahren Religion des Gastes erfährt, will er ihn töten, aber Rachel hält ihn auf. Sie hofft, Léopold heiraten zu können, wenn sich dieser bekehren lässt, doch dies ist für ihn keine Option und er wird des Hauses verwiesen.

III. Akt

Rachel ist ihrem Samuel zum Palast gefolgt. Sie schafft es, Eudoxie zu überzeugen, sie als Dienstmädchen einzustellen. Anlässlich der Feierlichkeiten zum Sieg von Léopold über die ketzerischen Hussiten kommt Éléazar, um ihm die Goldkette zu bringen. Als Eudoxie sie ihrem Mann anlegt, erkennen Rachel und Léopold ihn als ihren Passahgast. Rachel beschuldigt den Prinzen einer romantischen Beziehung mit einer Jüdin: sich selbst. Kardinal de Brogni verflucht Léopold, Rachel und Éléazar, was Eléazar mit einem eigenen Fluch über die Christen erwidert.

IV. Akt

Eudoxie bittet Rachel, ihre Behauptungen zurückzuziehen. Rachel ist immer noch in Léopold verliebt und so willigt sie ein, der Prinzessin zu helfen, ihn zu retten. Kardinal de Brogni stimmt zu, die Strafe des Prinzen zu mildern und verspricht, Rachel und Éléazar unter der Bedingung zu verschonen, dass sie zum Christentum konvertieren. Éléazar erinnert Brogni an die Zeit vor vielen Jahren, als sie beide in der Nähe von Rom lebten. Brogni war noch kein Geistlicher, sondern ein Graf, und er hatte die Söhne von Éléazar als Ketzer hingerichtet, bevor er den Goldschmied verbannte und ihn zur Flucht in die Schweiz zwang. Bald darauf plünderten Banditen das Haus des Grafen, während er in der Stadt war, und zündeten es an. Brogni glaubte, dass seine Frau und seine kleine Tochter im Feuer getötet worden waren, aber Éléazar erzählt dem heutigen Kardinal, dass sein Kind tatsächlich von einem Juden gerettet wurde.

Brogni bittet den Goldschmied, ihm zu sagen, wo seine Tochter ist. Éléazar weigert sich, die Wahrheit zu verraten – nämlich, dass er auf seinem Weg in die Schweiz das Baby dem Tode nahe im ausgebrannten Haus auffand und rettete, indem er es Rachel nannte und zu seiner eigenen Tochter machte. Éléazar versprach, das Geheimnis mit ins Grab zu nehmen, um sich an Brogni zu rächen. Éléazar wird dabei klar, dass sein Hass auf Christen sowohl zu Rachels Tod als auch zu seinem eigenen führen könnte, und ändert unverweilt seine Meinung. Aber als er die Schreie des christlichen Mobs hört, der nach seinem Blut ruft, beschließt er wieder, sich zu rächen.

V. Akt

Rachel und ihr Vater werden zum Tode verurteilt, sie sollen in einen Kessel mit kochendem Wasser geworfen werden. Die Massen freuen sich bereits auf das Spektakel. Éléazar drängt Rachel ein letztes Mal, sich durch die Taufe zu retten, aber obwohl sie verängstigt ist, akzeptiert sie neben ihrem Vater den Märtyrertod. Als die junge Frau in den Kessel geworfen wird, verrät Éléazar Brogni sein Geheimnis. Der Kardinal fällt auf die Knie, als die Menge ihre Rache an den Juden feiert.

 

5 Dinge, die man über La Juive wissen sollte

1. Grand Opéra

Die Grand Opéra, ein neues und beeindruckendes Genre des Musiktheaters, wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in Paris entwickelt und erlebte in der Mitte dieses Jahrhunderts ihr goldenes Zeitalter. Obwohl die Form dieser Opern nicht vollständig definiert war, bestanden sie in der Regel aus fünf Akten und wurden oft in einen historischen Kontext gestellt. Dies sollte jedoch nicht als Flucht in die Vergangenheit für das Publikum dienen, sondern die Parallelen zwischen den Konflikten der Vergangenheit und ihren eigenen zeitgenössischen Kämpfen um nationale Identitäten, politischen Einfluss und die Freiheit, in Frieden zu beten, aufzeigen. Natürlich stand auch eine Liebesgeschichte im Mittelpunkt des Ganzen. Die Grand Opéra kennzeichnet sich auch durch eine Vorliebe für große, aufwendige Bühneneffekte und ein kraftvolles Orchester.

2. Konstanzer Konzil

La Juive spielt während des Konzils von Konstanz, das 1414 von König Sigismund einberufen wurde, um der westlichen Kirchenspaltung ein Ende zu setzen. Ein erster Versuch dazu war bereits 1409 während des Konzils von Pisa unternommen worden, aber das hatte die Situation nur verschlimmert, so dass es nun drei Päpste statt einem gab. Schließlich gelang es dem Rat, die drei Päpste des Amtes zu entheben, und 1417 wurde ein neuer Papst, Martin V., ernannt.

Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Tagesordnung des Konzils war der Ketzer Wyclif und sein wichtigster Unterstützer, der böhmische Theologe Jan Hus. Inspiriert von der Theologie Wyclifs predigte Hus gegen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche. Er erhielt die Gelegenheit, sich in Konstanz zu verteidigen, wurde aber dennoch gefangen genommen und später zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

3. Oper und Politik

La Juive zeigt die intolerante und gewalttätige Art und Weise, wie das mittelalterliche Europa mit seinen religiösen Minderheiten umgeht. Eine derart politisch aufgeladene Oper wurde daher zwangsläufig ambivalent rezipiert. Die liberale Bourgeoisie wurde unter der Juli-Monarchie gestärkt, und die Toleranz gegenüber Andersdenkenden war höher als unter der vorangegangenen Bourbonischen Restauration. Die jüngste Geschichte hatte jedoch jeden gelehrt, dass Instabilität jederzeit möglich war, entweder ausgehend von den entrechteten Massen oder von der reaktionären Elite. Auf diese Weise passt La Juive in die Tradition weltlicher Opern, die die Taten der Machthaber als Warnung an das Publikum darstellen, ihren schlechten Vorbildern nicht zu folgen.

4. Die Halévy-Brüder

Die Brüder Fromental und Léon Halévy waren beide für künstlerische Karrieren bestimmt. Fromental wählte den Weg der Musik und wurde schließlich Opernkomponist, während Léon ein Beamter und Historiker war, der sein Leben im Ruhestand dem Schreiben von Gedichten und Theaterstücken widmete. Der Antisemitismus, dem jeder von ihnen in seinem Berufsleben ausgesetzt war, informierte seinerseits das Libretto von La Juive. Fromental Halévy feierte mit dieser Oper nicht nur seinen ersten großen Erfolg, sondern gab Frankreich ein Werk, das ein Jahrhundert lang Eckpfeiler seines Repertoires sein sollte. Später wurde er zu einem führenden Kunstbürokraten und präsidierte als Sekretär der Académie des Beaux-Arts Komitees, in denen unter anderem der Kammerton A festgelegt wurde.

5. Peter Konwitschny

Auch wenn er diesen Begriff sicherlich selbst ablehnen würde, gilt Regisseur Peter Konwitschny als Eminenz der deutschen Opernwelt, wobei er jegliche vokale und musikalische Götzenverehrung ablehnt. Für ihn ist die Oper ein Ort der Kritik, an dem die Musik intensiv mit dramatischen Aktionen zusammengeht. Mit seinen oft polarisierenden Inszenierungen wird Konwitschny gleichzeitig gefeiert und verpönt. Bedeutungsvolle Arbeit muss nicht ästhetisch ansprechend oder amüsant sein; Konwitschny appelliert vielmehr an die emotionale Vorstellungskraft und den Intellekt des Publikums. Nach Aida und Don Carlos ist dies seine dritte Produktion an der Oper Vlaanderen.

Besetzung

Éléazar Roy Cornelius Smith
Rachel Corinne Winters
Die Prinzessin Eudoxie Nicole Chevalier
Der Prinz Léopold Enea Scala
Der Kardinal von Brogni Riccardo Zanellato
Ruggiero Leon Košavić
Chor Koor Opera Vlaanderen
Orchester Symfonisch Orkest Opera Vlaanderen

Musik Fromental Halévy
Musikalische Leitung Antonino Fogliani
Inszenierung Peter Konwitschny
Bühne Johannes Leiacker
Kostüme Johannes Leiacker
Licht Manfred Voss
Chorleitung Jan Schweiger
Dramaturgie Bettina Bartz and Luc Joosten
Abendspielleitung Marcos Darbyshire

Quelle:  OperaVision